Neue Anleitung zum Unglücklichsein 2020 / 2021

Warum hat Paul Watzlawick die Anleitung zum Unglücklichsein geschrieben?

Paul Watzlawick hat 1983 Anleitung zum Unglücklichsein als eine paradoxe Intervention (man könnte auch Symptomverschreibung sagen) veröffentlicht. Er führte den Lesern vor Augen, wie viel sie zu ihrem schweren Alltag beitragen. Wer anders handelt, als die Anleitung zum Unglücklichsein beschreibt, sorgt somit für mehr Zufriedenheit und Glück in seinem Leben.

Unglücklich

Wie eine neue Anleitung zum Unglücklichsein 2020 / 2021

Warum diese neue Anleitung zum Unglücklichsein?

Ich schreibe diese neue, provokative Anleitung zur Herstellung von Unzufriedenheit, Sorgen und Unglück, weil sich seit Paul Watzlawick nicht viel geändert hat an den Menschen. Auch wenn Watzlawicks Buch ein großer Erfolg wurde, sind die Menschen weiterhin aktiv damit beschäftigt, sich zu überfordern und das Glück aus ihrem Leben fernzuhalten.

Warum bringen viele Psychoratgeber nichts?

Psychoratgeber und vermeintliche Patentrezepte wie NLP (Neurolinguistisches Programmieren) enttäuschen die Anwender. Sie versprechen angebliche Lösungen, wo schon die Zielvorstellung falsch ist.

  • Das Leben lässt sich nicht nach Anleitung oder Schema F optimieren.
  • Die meisten Probleme entstehen durch Lösungsversuche – auch Lösungsversuche, die in Psychotipps und anderem Ratschlägen stehen.
  • Immer sind es die persönlichen Umstände, Werte und Ziele eines Menschen, die sein empfundenes Glück oder Unglück beeinflussen.
  • Wie ich mein Leben, meinen Augenblick benenne, so fühle ich mich.

Deshalb: Ratgeberliteratur ist problematisch, wenn sie das persönliche Erleben von Menschen trivialisiert.

Was ist eine paradoxe Intervention – und warum wirkt sie?

Eine paradoxe Intervention fordert einen Menschen im therapeutischen Kontext dazu auf, ein als problematisch erlebtes Verhalten absichtlich zu wiederholen oder sogar noch zu steigern.

Beispiel für eine paradoxe Intervention

Ein einfaches Beispiel für eine paradoxe Intervention ist, wenn ein stotternder Mensch sich vornimmt, in einem bestimmten Moment besonders stark zu stottern. Hier kann genau das Gegenteil eintreten, d. h. die Symptomatik kann sich abmildern oder sogar ganz ausbleiben.

Wie wirkt eine paradoxe Intervention?

Bei einer paradoxen Intervention scheint sich die Spannung bzw. die Blockade aufzulösen, die durch das krampfhafte Vermeiden entstanden ist.

Ein Mensch, der sich auf keinen Fall einen Fehler erlaubt, wird entweder nichts tun, also im Bett bleiben, oder er wird den ganzen Tag aus lauter Übervorsicht einen Fehler nach dem anderen begehen.

In dem Moment, in dem sich jemand alle Fehler dieser Welt erlaubt oder sich sogar anstrengt, Fehler zu begehen, tritt dann das Gegenteil ein.

Die paradoxe Intervention für 2020 / 2021: Anleitung zum Perfektionismus und damit Anleitung zum Unglücklichsein

Befolgen Sie keineswegs diese Anweisungen:

  • Beginnen Sie ein Projekt nur, wenn Sie sicher sind, dass es gelingen wird
  • Lassen Sie sich nicht auf Kompromisse ein. Das Beste oder nichts.
  • Setzen Sie sich ein knappes Datum. Wenn zu diesem Zeitpunkt das Ziel nicht erreicht ist, geben Sie auf und starten Sie ein neues Projekt.
  • Seien Sie die beste Partnerin / der beste Partner in der Beziehung – und fordern Sie das auch von Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin
  • Lassen Sie sich nichts anmerken: Nur schwache Menschen haben Grenzen und zeigen diese
  • Bleiben Sie nur so lange in einer Beziehung, wie Sie sich gut verstehen. Wenn sich die andere Seite nicht an Sie anpasst, beenden Sie die Beziehung
  • Strengen Sie sich an, Ihren Kopf freizuhalten
  • Unterdrücken Sie Gedanken, innere Bilder, Befürchtungen usw. Wenn Sie sich lange genug bemühen, können Sie alles.

Watzlawick zitierte Dostojewski

Was heißt das Dostojewski-Zitat heute?

»Was kann man nun von einem Menschen… erwarten? Überschütten Sie ihn mit allen Erdengütern, versenken Sie ihn in Glück bis über die Ohren, bis über den Kopf, so daß an die Oberfläche des Glücks wie zum Wasserspiegel nur noch Bläschen aufsteigen, geben Sie ihm ein pekuniäres Auskommen, daß ihm nichts anderes zu tun übrigbleibt, als zu schlafen, Lebkuchen zu vertilgen und für den Fortbestand der Menschheit zu sorgen – so wird er doch, dieser selbe Mensch, Ihnen auf der Stelle aus purer Undankbarkeit, einzig aus Schmähsucht einen Streich spielen. Er wird sogar die Lebkuchen aufs Spiel setzen und sich vielleicht den verderblichsten Unsinn wünschen, den allerunökonomischsten Blödsinn, einzig um in diese ganze positive Vernünftigkeit sein eigenes unheilbringendes phantastisches Element beizumischen. Gerade seine phantastischen Einfälle, seine banale Dummheit wird er behalten wollen …«

Übertragen wir diesen Dostojewski-Satz ins Jahr 2020:

»Was geht in einem Menschen vor, der alle denkbaren Möglichkeiten zur Verfügung hat – einen nahezu grenzenlosen und fast vollständig kostenlosen Zugang zum Wissen der Menschheit? Statten Sie ihn mit allem Wissen aus und mit einer einfachen Handlungsanweisung, wie er sinnbildlich nur zum Regal am anderen Ende des Zimmers gehen und seine Lösung kostenlos entnehmen könnte. Spielen Sie ihm YouTube-Videos vor, die seine gewünschte Veränderung einfach nachvollziehbar zeigen. Überschütten Sie ihn mit Beweisen, um wie viel besser sein Leben doch sein könnte, würde er doch nur Ihrem Ratschlag folgen – er wird sich blind und taub stellen und weitermachen wie bisher. Weil er dem Irrglauben aufsitzt, dass sein Leben eine Ausnahme wäre, dass er es nur nach seinen Wertvorstellungen handhaben könne. Er wird wider alle Vernunft handeln und bei seinen Fehlern bleiben, weil er es leid ist, dass andere ihm alle Erfahrung abnehmen wollen. Und er hat zu einem gewissen Maße recht, denn nur er weiß, was sich in seinen Gefühlen und in seinem Kopf abspielt. Deshalb ist es richtig, dem Menschen ein Grundangebot zu geben, das für sein eigenes Leben passend machen kann.«